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Der Anfang

Als Gott Reiseleiter erschuf

Am sechsten Tage ohne Rast machte Gott sich daran Reiseleiter zu kreieren. Ein Engel kam vorbei und sagte:

"Du beschäftigst dich aber ungewöhnlich lange mit diesem Modell."

Und Gott fragte:

"Hast du die Kriterien gesehen, die dieses Model erfüllen muß? Ein Reiseleiter muß in der Lage sein, den ganzen Tag auf dem Flughafen herumzurennen, hysterische Kunden zu beruhigen, sich für Dinge entschuldigen, die er nicht verbrochen hat, Hotels betreten und deren Essen verzehren, die der Gesundheitsminister nicht einmal ansehen würde, und das alles ohne seine Uniform zu zerknittern oder zu verschmutzen.

Er muß den ganzen Tag in einem zivilen Auto mit überhöhtem Tempo durch wildes Land fahren, gleichzeitig die Hotelbelegschaft nach Zeugen auskundschaften, in der selben Nacht eine Stellungnahme schreiben und einen Gast aus dem Gefängnis holen und früh am nächsten Morgen im Hotel zu erscheinen und gutgelaunt seinen Begrüßungstreff machen.

Er muß jederzeit in Top-Kondition sein, und das nur mit schwarzem Kaffee und halbgegessenen Mahlzeiten. Und er braucht sechs Hände."

Der Engel schüttelte den Kopf und sagte: "Sechs Hände, das geht nicht."

"Es sind nicht die Hände, die mir Probleme bereiten", sagte Gott, "es sind die drei Paar Augen, die ein Reiseleiter haben muß."

"An einem ganz normalen Reiseleiter? Warum denn das?" fragte der Engel.

Gott erklärte: "Ein Paar, das in den Gast hineinsehen kann, bevor er fragt, was man für ihn tun kann (obwohl er es längst weiß und wünschte, er hätte einen anderen Job angenommen). Ein zweites Paar Augen an der Seite seines Kopfes, zur seiner eigenen Sicherheit. Und ein Paar vorne, das ihn versichernd zum sterbenden oder kranken Gast sagen lässt: ‚Alles wird wieder gut’, obwohl er weiß, dass es nicht so ist."

"Gott", sagte der Engel und fasste Gott an den Ärmel, "ruhe Dich doch erst einmal aus, Du kannst dieses Modell doch später fertig stellen."

"Das kann ich nicht, ich habe schon ein ziemlich gutes Modell erschaffen, es kann einen 150 Kilo schweren Betrunkenen überreden, in den Transferbus, der nicht zum gebuchten Hotel fährt, zu steigen, ohne daß es zu Zwischenfällen kommt, und er kann eine fünfköpfige Familie mit seinem lächerlichem Gehalt durchfüttern - ich kann jetzt nicht aufgeben."

Der Engel umkreiste den Reiseleiter sehr langsam und sah ihn sich genau an, dann sagte er: "Kann dieses Modell auch denken?"

"Aber natürlich", antwortete Gott, "es kann Dir die Sachlage von tausend Reklamationen aufzählen, das Transfergespräch in seinem Schlaf aufsagen, besänftigen, untersuchen, investigieren, auffinden und einen Querulanten schneller aus dem Hotel holen, als fünf Richter diskutieren, ob es berechtigt war oder nicht, während der Reiseleiter schon den nächsten Gast zufriedenstellt. Und während alledem behält der Reiseleiter noch seinen Sinn für Humor. Außerdem hat dieses Modell wahnsinnig gute Kontrolle über sich selbst, er ist fähig Massenaufstände zu beruhigen und abzusichern, die aussehen, als wären sie der Hölle entsprungen, ohne mit der Wimper zu zucken, und hat trotzdem seinen Hass unter Kontrolle, er kann Angehörige von HUGOS trösten und ihnen Mut zureden, und er lacht immer noch, obwohl die Zeitung wieder einmal schreibt, Touristen würden nicht gerecht behandelt werden."

Dann sah der Engel das Gesicht des Reiseleiters genauer an, er strich mit seinem Finger über die Wangen des Modells und sagte: "Siehst du Gott, hier ist ein Leck, ich sagte doch, daß du dir zuviel vorgenommen hast bei diesem Modell."

"Das ist kein Leck", entgegneten Gott, es ist eine Träne."

"Eine Träne? Wofür?" wollte der Engel wissen.

"Nun ja, für die ganzen aufgestauten Gefühle... für die gescheiterten Kollegen, für die Beschimpfungen, die er hinnehmen muß, für die Undankbarkeit und falschen Beschuldigungen, für die Frustration und Wut, für Hilflosigkeit und für die Opfer, die er bringen muß, für die Einsamkeit, für die Unmenschlichkeit, für den Schmerz und die Ohnmacht, für die schrecklichen Dinge, die er sieht, die er selbst nicht ertragen kann, für die Alpträume und für den Streß, mit dem er leben muß."

"Du bist ein Genie", sagte der Engel.

Gott guckte trübselig und sagte: "Engel, ich habe die Träne nicht dorthin getan."